Bei der Podiumsdiskussion „Knallhart sparen, kräftig investieren“ ist eine Frage offen geblieben. Moderator Sven Clausen hatte den TFGM-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern versprochen, diese offene Frage im Nachhinein zu klären. Nachfolgend die Aufklärung:
Darum geht es: Während der Podiumsdiskussion „Knallhart sparen – kräftig investieren“ auf The Future of German Media hatte ich den Verleger Holger Friedrich gefragt, ob der bei der Sanierung seiner Berliner Zeitung möglicherweise zu hart gespart habe (Video-Ausschnitt siehe hier). Als Hintergrund meiner Frage führte ich an, dass der digitale Vertriebsumsatz des Berliner Verlags 2024 lediglich rund 4,7 Prozent betragen habe.
Holger Friedrich sagte daraufhin: „Diese Zahl kenne ich so nicht. Die kann so nicht stimmen.“
Ich zitierte daraufhin den im Bundesanzeiger dokumentierten Abschluss des Berliner Verlags (Amtsgericht Berlin Charlottenburg, HRB 101192) aus dem Jahr 2024. Die Quote von 4,7 Prozent ist danach eine Herleitung: Die Geschäftsführer Holger Friedrich und Christoph Stiller veröffentlichten im Abschluss Zahlen zum Gesamtumsatz (36,5 Mio. Euro) sowie verschiedene Umsatzgrößen, die allesamt nicht digitale Vertriebserlöse darstellen: Umsatz Print: 25,6 Mio. Euro, Umsatz Vermarktung: 7,8 Mio. Euro, Umsatz Classified: 1,4 Mio. Euro. Die verbliebene Umsatzgröße von 1,7 Millionen Euro habe ich als die höchste anzunehmende Umsatzgröße für die nicht ausgewiesenen digitalen Vertriebserlöse 2024 angesetzt. Sie machen demnach einen Anteil von knapp 4,7 Prozent am Gesamtumsatz des Berliner Verlags 2024 aus.
Auf schriftliche Nachfrage nach der Podiumsdiskussion, ob Holger Friedrich angesichts dieser Angaben aus dem testierten Jahresbericht weiterhin der Meinung sei, die Zahl könne „so nicht stimmen“, antwortete Friedrichs Geschäftsführungskollege Christoph Stiller. Stiller konnte in einer Mail die Korrektheit der Zahl nicht widerlegen und warb für eine andere Sicht auf die Dinge. Danach habe der Anteil der digitalen Vertriebserlöse an allen Vertriebserlösen des Berliner Verlags 2024 bei 6,2 Prozent gelegen. Der Anteil des digitalen Geschäfts insgesamt (also Verkauf journalistischer Produkte plus Vermarktung) habe bei 18 Prozent gelegen.
Im September 2024 hatte Friedrich in einem Interview mit dem Verleger Roger Köppel gesagt, die digitalen Abos der Berliner Zeitung entwickelten sich wie ein „hockey stick“. „Wären wir ein klassisches Fintech, würden die Investoren vor der Tür stehen und fragen: Dürfen wir bitte mitspielen. Wir halten die Tür zu.“
Auf die Frage, wie diese Aussage zu dem Anteil der digitalen Vertriebserlöse passe, antwortete Friedrich: „Die damals erhöhte Dynamik speiste sich aus Solidarisierungseffekten infolge medialer Diskreditierung und war in dieser Höhe nicht nachhaltig; obwohl vor und nach diesem Zeitraum ein konstant positives Wachstum vorlag und vorliegt. (…) In den letzten beiden 12-Monatsperioden betrug dieses Wachstum bei uns jeweils >40%. Wir werden in diesem Geschäftsjahr, mit dem dritten Jahr strukturellen Profits, demnach auch erstmalig wieder im Umsatz wachsen, nicht nur aber auch durch den guten Start der OAZ“ (gemeint ist die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung).
Sven Clausen
- Thomas Düffert (MADSACK Mediengruppe)
- Friederike Pfingsten (Cellesche Zeitung)
- Holger Friedrich (Berliner Zeitung)
- Hendrik Lünenborg (NDR)
- Moderation: Sven Oliver Clausen, Victoria Reichelt

